Anglistik
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Zur Geschichte des Lehrstuhls

Seit der Einrichtung eines Lehrstuhls für moderne Sprachen und Literaturen im Jahr 1876 und insbesondere seit der Entstehung des Lehrstuhls für englische Philologie (1896) und des Englischen Seminars (1913) werden an der Ludwig-Maximilians-Universität regelmäßig Lehrveranstaltungen zur englischen historischen Sprachwissenschaft und zur Literatur des Mittelalters angeboten. Zu den bedeutenden Gelehrten, die sich in München diesen Disziplinen widmeten, zählen etwa Prof. Josef Schick (1859–1944), der sich insbesondere mit der mittelenglischen Literatur (Lydgate) befasste, und sein Nachfolger Prof. Max Förster (1869–1954), dessen Studien zur altenglischen Philologie, und zur Bedeutung des keltischen Substrats, ihm internationale Anerkennung einbrachten. Auch im weiteren Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts war das Studium der mittelalterlichen Sprache und Literatur wesentlicher Bestandteil der Forschung und Lehre am Institut: Zu nennen sind etwa die Untersuchungen zu Chaucers frühem Werk durch Prof. Wolfgang Clemen (1909–1990), der auch eine Reihe von Dissertationen zu mittelalterlichen Themen betreute, sowie Gastdozenturen bekannter Mediävisten in München anregte (so etwa Levin Ludwig Schücking und Otto Funke).

Mit der Expansion des Hochschulwesens in den sechziger und siebziger Jahren erfuhren die Mittelalterstudien in München eine Institutionalisierung in Form des heutigen Lehrstuhls für (historische) Sprachwissenschaft und mittelalterliche englische Literatur. Seine wesentliche Prägung erfuhr der Lehrstuhl durch seinen langjährigen Inhaber Prof. Helmut Gneuss (geb. 1927), unter dessen Leitung (1965–1997) München zum international anerkannten Forschungszentrum für mittelalterliche und insbesondere altenglische Studien aufsteigen konnte. Es erschienen eine Reihe von Publikationen am Institut. Prof. Gneuss' Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der mittelalterlichen englischen Bibliotheken, die Liturgie der angelsächsischen Kirche, die Lexikographie des Altenglischen, die Edition mittelalterlicher Texte und die Geschichte der Sprachwissenschaft. Zu Standardwerken geworden sind etwa die Untersuchungen zu den sprachlichen Normierungsbestrebungen, die von Bischof Æthelwold (963–984) und seinem Kreis ausgingen (Gneuss, Hofstetter, Gretsch), die Gneussschen Publikationen zu im angelsächsischen England entstandenen oder zirkulierenden Handschriften, aber auch bereits seine Dissertation zu Lehnbildungen im Altenglischen. Aus dieser 'Münchener Schule' sind u.a. die Professoren Karl Reichl (Bonn 1978–2008), Angelika Lutz (Erlangen), Lucia Kornexl (Greifswald, Rostock), Hans Sauer (Würzburg, Dresden, München 1997–2013), Mechthild Gretsch (Göttingen 2000–2006; †2013) und Ursula Lenker (Eichstätt, München seit 2013) hervorgegangen.

Studienschwerpunkte aus dem Bereich der historischen Sprachwissenschaft und mittelalterlichen englischen Literatur

Den Studierenden der Englischen Philologie bieten sich nach wie vor hervorragende Möglichkeiten, Studienschwerpunkte in der historischen Sprachwissenschaft und mittelalterlichen englischen Literatur zu wählen: In jedem Semester werden wissenschaftliche Übungen, Proseminare, Haupt- und Oberseminare sowie Vorlesungen in diesem Bereich angeboten (cf. die aktuellen Mitteilungen der Abteilung auf dieser Homepage), die sowohl eine Einführung in die älteren Sprachstufen bieten, als auch Einblicke in die reiche Literatur und Kultur des mittelalterlichen England gewähren. Besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang auch die exzellente Ausstattung der Institutsbibliothek zu mittelalterlichen Themen.

Im Rahmen der Bachelor- und Master-Studiengänge (Master English Studies, auch mit Spezialisierung auf Anglo-Scandinavian Studies möglich; interdisziplinärer Master Mittelalter- und Renaissancestudien) ist im Hauptstudium eine weitgehende Spezialisierung auf mittelalterliche Themen möglich, die auch in die Abfassung einer historisch orientierten Bachelor- oder Masterarbeit zur Sprache oder Literatur münden kann.

Auch im Rahmen der vertieften Lehramtsstudiengänge – die den Besuch eines Moduls zur Geschichte der englischen Sprache (P8.3) voraussetzen – kann ein Thema aus dem historischen Bereich für die Zulassungsarbeit gewählt werden. Sprachhistorische Themen stehen auch in der schriftlichen Staatsexamensprüfung (vertieft) in der englischen Sprachwissenschaft zur Auswahl, nämlich Thema 1 (Altenglische Textbasis) und Thema 2 (Mittelenglische Textbasis). Sie können diese Themen durch die in jedem Semester angebotenen Sprachhistorischen Übungen für Fortgeschrittene oder alt- und mittelenglischen Lektürekurse vorbereiten (nähere Informationen hier und den Mitteilungen, durch die Dozenten und die Informationsordner in der Bibliothek II des Instituts).

Besonders begabten und interessierten Studenten eröffnet sich die Möglichkeit, durch die Abfassung einer Dissertation im Rahmen des Promotionsstudiengangs Englische Sprachwissenschaft und mittelalterliche englische Literatur, in der Graduate School of Language and Literature Munich (Class of Language), oder im Promotionsprogramm des Zentrums für Mittelalter- und Renaissancestudien eigene Forschungsgebiete zu erschließen.

Kontakt

Prof. Dr. Ursula Lenker
Englische Sprachwissenschaft und Literatur des Mittelalters
Dept. für Anglistik/Amerikanistik
Schellingstr. 3 RG
80799 München