Anglistik
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Wir trauern um Prof. Dr. Richard Janney

19.10.2021

Prof. Dr. Richard W. Janney, 1945 – 2021

Richard W. Janney wurde 1996 auf die relativ neue C3-Professur für anglistische Sprachwissenschaft an der LMU berufen. Mit seinen breit gestreuten Interessen im Bereich der linguistischen Pragmatik erweiterte er sowohl das Forschungsspektrum als auch das Lehrangebot in der Anglistik wesentlich und weckte damit auch das Interesse einer stetig wachsenden Zahl internationaler Studierender. Als Mitherausgeber des Journal of Pragmatics war er weltweit sehr gut vernetzt, vermittelte oft Kontakte zwischen Forschenden mit ähnlichen Interessen, förderte und inspirierte unermüdlich wissenschaftlichen Nachwuchs. Er war immer offen für Neues. In den letzten Jahren seiner aktiven Zeit und auch im Ruhestand ab 2010 war er maßgeblich am neu entstehenden Forschungsbereich der postkolonialen Pragmatik beteiligt, der grundlegend neue Perspektiven auf kulturspezifische Interaktionsstrategien und interkulturelle Kommunikation eröffnete. Ein zweites Forschungsfeld, in dem er in dieser Phase neue Maßstäbe setzte, war der Transfer von textlinguistischen Konzepten wie Kohäsion und Kohärenz auf die Analyse von Filmen. Bei der Betreuung von Abschlussarbeiten nahm er zielstrebig Allgemeines und Unkonkretes ins Visier und versuchte mit der – stets freundlich und etwas verschmitzt gestellten – Frage „Was konkret wollen Sie mit dieser Arbeit beweisen?“ zum Kern des Problems, zum Knackpunkt der Argumentation vorzudringen. Studierende wie Kolleg:innen schätzten seine konstruktive, kreative und humorvolle Art des wissenschaftlichen Diskurses sehr.


Dick Janney war als Geschäftsführender Direktor des damaligen Instituts für Englische Philologie wesentlich an der Gründung und Ausgestaltung des Departments für Anglistik und Amerikanistik an der LMU beteiligt. Dem gebürtigen US-Amerikaner lag das Zusammenwachsen der beiden Nachbardisziplinen besonders am Herzen, und er trug auch in menschlicher Hinsicht viel zum Gelingen dieser Fusion bei. In verschiedenen Gremien wie auch in alltäglichen Begegnungen brachte er von Anfang an eine unkonventionelle, unkomplizierte, zutiefst menschliche Sichtweise und einen erfrischend bodenständigen, wahrhaft gesunden Menschenverstand ein. Er dachte nicht in Hierarchien; sein aufgeschlossenes Lächeln wirkte ansteckend auf Kolleg:innen und auf Studierende.


Richard W. Janney war ein großartiger Kollege, ein begeisternder Sprachwissenschaftler und für viele von uns ein guter und lieber Freund. Am 18. Oktober ist er nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben. Wir werden ihn schmerzlich vermissen.

In stillem Gedenken
Prof. Dr. Michael Hochgeschwender
Geschäftsführender Direktor
Department für Anglistik und Amerikanistik